Züchtergedanken ... Teil 1

Der nachfolgende Artikel sowie die Informationen sind rein subjektiv- aus meiner persönlichen Sicht – insofern ohne Gewähr.

Nur weil ich etwas nicht sehe - heisst das nicht, das es nicht da sein kann ....

Lebershunt - Der Portosystemische Shunt "PSS"

Was ist PSS?
Beim Hund fließen die venösen Blutgefäße aus dem Verdauungstrakt in der Portalvene, die das Blut zur Leber führt, zusammen.
Dort wird es dann von Toxinen gereinigt (gefiltert) und über die hintere Hohlvene zum Herzen geführt.
Ein PSS ist eine Gefäßverbindung zwischen Portalvene und hinterer Hohlvene, wodurch ein Teil des Blutes die Leber "ungefiltert" umläuft.

Angeborene PSS = Congenitale Shunts

Dieser befindet sich bei Yorkshire - Terriern meist außerhalb der Leber (extrahepatisch). Trotz intensiver Studien konnte bislang nicht ermittelt werden, wie der Erbgang verläuft, jedoch wird angenommen das es sich um einen Autosomal polygenetischen* Erbgang handelt.

*Autosomal = Genorte liegen nicht auf den Geschlechtschromosomen (Rüden wie Hündinnen können gleichermaßen betroffen sein)
Polygen = ( Poly=Viel) viele Genorte (beim tatsächlichen auftreten des Merkmals sind mehrere Gene beteiligt) - die Mendelschen Regeln können nicht im Erbgang beobachtet werden, die Herkunft der defekten Allele auf den beteiligten Genorten kann erheblich zwischen den Eltern differieren. Eine Aussage über den Anteil der Eltern (Vater oder Mutter oder Beide) ist anhand nur einer Verpaarung / Nachkommen nicht möglich.

Folgen & Symptome

Ein PSS verursacht einerseits das die Leber zu wenig Nährstoffe erhält wodurch sie sich nicht richtig entwickeln kann, desweiteren verbleiben u.a. Abbauprodukte wie Ammoniak und Benzodiazepine im Blut anstatt in der Leber umgewandelt und dann ausgeschieden zu werden.
Diese im Blutkreislauf verbleibenden Abbauprodukte führen u.a. zu Störungen des zentralen Nervensystems.
Ammoniak ist in erhöhter Konzentration giftig für Nervenzellen - Benzodiazepine wirken auf die Nervenüberleitungen

Häufig, aber nicht immer, bemerkt man Symptome in den ersten 6 Lebensmonaten. Bei einem kleinen Shuntgefäß tauchen Symptome mit unter auch erst im späteren Erwachsenenleben auf (1- 6 Jahren).
Diese Symptome können das Nervensystem betreffen und / oder den Verdauungs- und /oder Urogenitaltrakt und sind außerordentlich vielfältig.

Mögliche Symptome :

- Neurologische Ausfälle (verändertes Verhalten, Störungen im Bewegungsablauf, Epi Anfälle) Wiederholende Magen/Darmprobleme
Blasensteine, Harnwegentzündungen etc.

Was weiss man – was können wir tun?

Mrs. Karen Tobias von der Universität Tennessee forscht seit etlichen Jahren und schreibt, das Yorkshire - Terrier ein vielfach erhöhtes Risiko für PSS gegenüber den meisten anderen Rassen haben.
PSS bedeutet für die betroffenen Hunde und deren Besitzer unerträgliches Leid – es sollte im Interesse jedes verantwortungsvollen Züchters sein, dieses Leiden auf keinen Fall zu vermehren.
Da beim angeboren Shunt eine Erblichkeit bekannt ist, jedoch kein DNA Gen Test zur Selektierung von Zuchttieren existiert , sollten erkrankte Tiere sowie auch alle gesunde Geschwister (da diese ebenfalls die defekten Gene tragen und weitergeben könnten) generell nicht zur Zucht eingesetzt werden. Gleiches wird präventiv für beide Elterntiere empfohlen.

Screeningtest für Würfe:
Hier hat der Züchter die Möglichkeit seine Welpen mittels eines Screening - Tests zur Gallensäure Bestimmung - schon recht frühzeitig (z.B. mit 8 Wochen beim Impftermin) bei seinem Tierarzt zu einem akzeptablen finanziellen Aufwand testen zu lassen. Es werden 0,5ml Blut entnommen und zum Labor verschickt – die Auswertung hier dauert in der Regel 1Tag.

Der Gallensäure Test:
Bei einem Shunt kann die Leber die Gallensäure nur unzureichend filtrieren, somit sind die Werte erhöht – sowohl nach dem Fasten als auch, hier dann noch deutlicher, nach der Fütterung.
Normale Gallensäure Werte nach der Fütterung bei Welpen bedeuten in den allermeisten Fällen (ca.95%) das die Welpen kein PSS haben. Dieser simple Test bietet Züchter und neuem Welpenbesitzer somit eine enorme Sicherheit und wird in den USA schon seit Jahren empfohlen.
Bitte sprechen sie mit Ihrem Tierarzt!

Laut Karen Tobias wäre es wichtig sicherzustellen, dass alle Zuchthunde Gallensäurewerte im Normalbereich aufweisen. Auch hier eignet sich der für Welpen beschriebene Screeningtest. Dies besagt jedoch nicht, das das betreffende Zuchttier nicht doch diesen Defekt vererben kann – sollten aus einem Zuchttier in mehr als in einer Verpaarung Shunt Fälle aufgetreten sein, so sollte dieses Tier aus der Zucht ausscheiden – auch Verwandte sind dann Zuchttechnisch zu überdenken.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die hier in Deutschland gültige Gewährleistungspflicht sowie das Tierschutzgesetz §11b Abs.1
Es ist verboten Wirbeltiere zu züchten.....wenn damit gerechnet werden muss, das bei der Nachzucht....erblich bedingte....Organe....untauglich sind und hierdurch Schmerzen, Leiden und Schäden auftreten.

Weitere Infos finden Sie auf: http://www.vet.utk.edu/clinical/sacs/shunt/index.php
Teil2 folgt : Therapie von PSS

 

 

© Beate Ackermann, 2010